Zitate von Wolfgang Borchert

Alle Leute haben eine Nähmaschine, ein Radio, einen Eisschrank und ein Telefon. Was machen wir nun? fragte der Fabrikbesitzer.
Bomben, sagte der Erfinder.
Krieg, sagte der General.
Wenn es denn gar nicht anders geht, sagte der Fabrikbesitzer.
Lesebuchgeschichten

Schieß, sagte der eine. Der schoß.
Da war der Kopf kaputt. Er konnte nicht mehr Parfum riechen, keine Stadt mehr sehen und nicht mehr Inge sagen. Nie mehr.
Die Kegelbahn

Und der letzte Schrei, den er schrie, hieß nicht Vaterland. Der hieß nicht Mutter und nicht Gott. Der letzte geschriene Schrei war sauer und scharf und hieß: Essig. Und war nur leise geflucht: Essig. Und der zog ihm den Mund zu. Für immer. Vorbei.
Vorbei vorbei

Aber man hat es doch befohlen, flüsterte der eine.
Aber wir haben es getan, schrie der andere.
Aber es war furchtbar, stöhnte der eine.
Aber manchmal hat es auch Spaß gemacht, lachte der andere.
Nein, schrie der Flüsternde.
Doch, flüsterte der andere, manchmal hat es Spaß gemacht. Das ist es ja. Richtig Spaß.
Die Kegelbahn

Aber Gott hat uns so gemacht.
Aber Gott hat eine Entschuldigung, sagte der andere. Es gibt ihn nicht.
Die Kegelbahn

Du. Mann an der Maschine und Mann an der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen - sondern Stahlhelme und Maschinengewehre, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Dann gibt es nur eins!

Die Göttin Großstadt hat uns ausgespuckt
in dieses wüste Meer von Stein.
Wir haben ihren Atem eingeschluckt,
dann ließ sie uns allein.
Großstadt

Und nun hat man mich mit dem Wesen allein gelassen, nein, nicht nur allein gelassen, zusammen eingesperrt hat man mich mit diesem Wesen, vor dem ich am meisten Angst habe: Mit mir selbst.
Die Hundeblume

Mensch bist du, giraffeneinsam ist dein Hirn irgendwo oben am endlosen Hals. Und dein Herz kennt keiner genau.
Eisenbahnen, nachmittags und nachts

Strom und Straße sind uns zu langsam. Sind uns zu krumm. Denn wir wollen nach Hause. Wir wissen nicht, wo das ist: Zu Hause. Aber wir wollen hin. Und Straße und Strom sind uns zu krumm.
Eisenbahnen, nachmittags und nachts

Unsere Verwesung ist beschlossen, unbestechlich, und: Wir pflanzen.
Unser Verfall kündigt sich an, unwiderruflich, und: Wir bauen.
Unser Verschwinden, unsere Auflösung, unser Nichtsein ist gewiß, ist notiert, unauslöschlich - unser Nicht-mehr-hier-Sein steht unmittelbar bevor, und: Wir sind. Wir sind noch. Wir haben den unfaßbaren Mut: Und sind.
Gespräch über den Dächern

Aber diesen tollkühnen sinnlosen Mut zu einem Buch müssen wir haben! Wir wollen unsere Not notieren, mit zitternden Händen vielleicht, wir wollen sie in Stein, Tinte oder Noten vor uns hinstellen, in unerhörten Farben, in einmaliger Perspektive, addiert, zusammengezählt und angehäuft, und das gibt dann ein Buch von zweihundert Seiten.
Im Mai, im Mai schrie der Kuckuck

Er darf in dem Haus die Dachkammer bewohnen. Dort hat man die tollsten Aussichten. Toll, das ist schön und grausig. Es ist einsam da oben. Und es ist da am kältesten und am heißesten.
Der Schriftsteller

Wir brauchen keine Dichter mit guter Grammatik. Zu guter Grammatik fehlt uns die Geduld.
Das ist unser Manifest

Wir sind die Generation ohne Bindung und ohne Tiefe. Unsere Tiefe ist Abgrund.
Wir sind eine Generation ohne Abschied, die sich davonstiehlt wie Diebe, weil sie Angst hat vor dem Schrei ihres Herzens.
Generation ohne Abschied

Doch, doch: Wir wollen in dieser wahn-witzigen Welt noch wieder, immer wieder lieben!
Das ist unser Manifest

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